„Auf gute Nachbarschaft“ dürfte ein Motto gewesen sein, dass den Einwohnern im brandenburgischen Gosen Anfang der 80er Jahre im Halse steckenblieb. Denn in dem idyllisch gelegenen Ort am Seddinsee machte sich das Ministerium für Staatssicherheit breit. Neben dem Schulungszentrum für angehende Auslandsagenten ging es mit einer geheimen Baumaßnahme ans Eingemachte: In einen Hang baute die DDR einen riesigen Bunkerkessel, in dem im Kriegs- oder Krisenfall der Auslandsgemeindienst – die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) – unterkommen und mehrere Tage mit über 30 Personen arbeiten konnte. Die Anwohner waren der „Stasi“ ein Dorn im Auge, man lässt sie durchleuchten. Westkontakte, politische Haltungen. Man ging lieber kein Risiko ein. Wer da was baute und warum die Baustelle immerzu bewacht und für Außenstehende abgeschirmt wurde, erfuhr in Gosen auch auf Nachfrage niemand – selbst große Teile des Wachpersonals waren ahnungslos.
Gut vierzig Jahre später steht eine Gruppe aus Q2ern mit Geschichtslehrer Marc Eigendorf und Referendar Tim Kohlstädt unter der Erde im Bunker „K81/1“, während Experte Jörg Diester durch ehemalige Wasch- und Duschräume, Arbeitszimmer, Schlafräume, Versorgungsbereiche und Energieversorgungsräume führt. Deutlich wird: Die wirtschaftlich wie finanziell klamme DDR scheute beim Geheimdienst im In- wie Ausland keine Kosten. Davon zeugt die riesige Anlage in Gosen. Der Besuch „weit draußen“ im Brandenburgischen ist ein Baustein der jährlichen DDR-Geschichtsfahrt der Europa-Gesamtschule. 2026 musste die Gruppe hart im Nehmen sein: Durchgehend Minusgrade, Eisregen und spiegelglatte Wege, eine Spontanevakuierung des Hotels, ein ganztägiger Ausfall der Berliner Tram – langweilig wurde es der Gruppe nicht.
Denn allzu oft fällt die DDR im Unterricht „hinten runter“. Und deshalb gibt es jedes Jahr ein Vier-Tage-Angebot mit einer dicken Portion deutscher Geschichte: Vom Alltagsleben in der DDR (Museum in der Kulturbrauerei) über die komplexe Grenzanlage der Berliner Mauer samt Todesstreifen (Gedenkstätte Bernauer Straße), den kleinschrittig geplanten Ablauf der Ein- und Ausreise (Tränenpalast Friedrichstraße) sowie den perfiden Haftbedingungen, die Bürgern drohten, die dem staatlich vorgebeteten Weg zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft etwas entgegensetzen wollten (Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen) erlebten sie eine große Spannbreite an Themen, Personen und Ereignissen. Das Teilnehmerfeld blieb aber nicht allein in der Rolle der Zuhörer und Zuschauer. In der früheren Stasi-Unterlagenbehörde (heute Bundesarchiv) arbeitete die Gruppe mit Bildungsdozentin Bettina Altendorf den teilweise tödlich geendeten Fall einer missglückten Mauerflucht zweier Fünfzehnjähriger in einem Planspiel auf.
Ein Ausflug in die Gegenwart war der Besuch am Sonntagabend in der ARD-Livesendung von „Caren Miosga“ in Adlershof, wo nicht nur eine interessante Diskussion stattfand, sondern auch hautnah erlebt werden konnte, wie eine Live-Fernsehsendung zustande kommt.
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